Orgelsanierung im Jubiläumsjahr 2018

Am 4. Februar 2018 konnte unsere Silbermann-Orgel in der Jakobikirche anlässlich ihres 300. Geburtstages nach der gründlichen Überarbeitung wieder feierlich in den Dienst genommen werden. Es war ein würdiger Höhepunkt voller Dankbarkeit und Freude. Wir haben ein wunderbares Instrument in unserer Kirche, das wir zur Freude vieler Menschen und zum Lob Gottes nutzen können.

Unser ehemaliger Kantor Matthias Assmann fand nur lobende und begeisterte Worte: „Ich habe das Instrument schon immer geliebt, aber jetzt liebe ich es noch mehr. Alle Schwachstellen sind ausgeräumt. Herrlich, herrlich, herrlich …“

Die Orgel wurde im Vorfeld der Feierlichkeiten ohne Beanstandung vom Gutachter abgenommen. Wir sind dankbar für die hervorragende Arbeit der Orgelbaufirma Ekkehart Groß und die angenehme Zusammenarbeit. Die Rechnungen sind inzwischen bezahlt. Ein riesengroßes Dankeschön an alle Spender, von denen die meisten Gemeindeglieder sind.

Der Vorsitzende unseres Vereins zur Erhaltung der Jakobikirche, Gerd Norzinski, resümiert: „Wir konnten ein würdiges, gelungenes und inhaltsreiches Orgel-Wiedereinweihungsfest in unserer Jakobikirche feiern. Die reparierte 300-jährige Silbermannorgel erfreute die vielen Gemeindeglieder, Gäste und Freunde. Ich danke all den Spendern für die Mitfinanzierung dieser großen Maßnahme und all denen, die an der Organisation und Ausgestaltung des schönen Festes mitgewirkt haben.“

Unsere Kirchenvorstandsvorsitzende, Veronika Günther, zitiert dankbar Worte von Johann Gottfried Herder, die den Verein auf einer Grußkarte mit Spende erreicht haben:
„Orgeln sind Wunderbaue, Tempel von Gottes Hand beseelt, Nachklänge des Schöpfungsliedes!“
Nun freuen wir uns jeden Sonntag an unserer Orgel und sind gespannt auf einige Höhepunkte im Jubiläumsjahr.
Pfr. Daniel Liebscher

Pressestimmen

Freie Presse vom 04.06.2018

Orgelmusik trifft Bergbau  

Freie Presse vom 21.04.2018

Eine Suite - extra für die Orgel  

Freie Presse vom 05.02.2018

Kirchgemeinde feiert ihre Königin

Freie Presse vom 20.12.2017

Eine echte Kaiserin

Freie Presse vom 20.12.2017

Derzeit eine Werkstatt

Freie Presse vom 01.03.2017

Orgel wird ausgebaut

Freie Presse vom 06.03.2017

Orgelabschied

Freie Presse vom 02.12.2015

Orgel braucht eine Kur





Was ist neu in der Jakobikirche?

Was ist neu in der Jakobikirche?
Ziel der Sanierung der Jakobikirche war nicht nur, dass Altes wieder zu neuem Glanz kommt und Schandflecken verschwinden, sondern auch, dass die Kirche noch besser für das Gemeindeleben genutzt werden kann. Deshalb gibt es einige Neuerungen, die in diesem und den folgenden Gemeinde aktuell vorgestellt werden sollen:

1. Raum für Eltern mit Kleinstkindern
Sehr dankbar sind wir, dass mehr und mehr Eltern mit kleinen Kindern unsere Gottesdienste besuchen. Nicht jedes Kind ist allerdings schon mit 14 Monaten soweit, dass es gerne mit zum Kindergottesdienst geht, die noch kleineren können in der Regel noch nicht gehen. Da ist es oft nicht leicht, die lieben Kleinen den ganzen Gottesdienst über ruhig und bei Laune zu halten. Das stresst Eltern (oh wie peinlich, was mach ich nur?) und umsitzende Gottesdienstbesucher gleichermaßen. Was also tun? Mit zum Kindergottesdienst oder gar rausgehen? – Dann kann ich auch zuhause bleiben und mir die Predigt hinterher im Internet anhören. Ganz dabei sein ohne jemanden zu stören, der Predigt lauschen, ganz entspannt, auch wenn mein Baby mal kickst oder brabbelt, das wäre es. Lange haben wir nach so einer Möglichkeit gesucht: Traukapelle, Gemeindesaal – alles nicht befriedigend. Jetzt haben wir es: einen Raum in der Kirche, schalltechnisch getrennt, optisch verbunden, vom Fußboden und an den kritischen Stellen beheizt, mit ordentlicher Tonübertragung und Lautstärkeregler für die Anwesenden, ordentliche Beleuchtung mit Nachrüstmöglichkeiten. Dieser Bereich unter der Orgelempore hinter der neuen Glasscheibe ist kein Raum für Kindergottesdienst und auch nicht für endlose Gespräche der Eltern, sondern der Ort, wo Kleinstkinder sich wohl fühlen und Eltern den Gottesdienst voll mitfeiern können – zukünftig mit kindgerechter Einrichtung sicher noch besser. Übrigens: der Raum unter der Orgelempore bietet weitere Möglichkeiten.

2. Raum unter der Orgelempore
Neben den im letzten Gemeinde-aktuell beschriebenen Nutzungsmöglichkeiten dieses Raumes für Eltern mit Kleinstkindern gab es weitere Gründe, diesen Raum so zu schaffen: Da ist zunächst unser Kirchenkaffee: Inzwischen nach jedem Gottesdienst ein wichtiger Treffpunkt, liebevoll vorbereitet und vor dem Umbau im Seitenschiff eingerichtet, wo es im Winter manchmal ziemlich „frisch“ wurde. Kirchenkaffee im Gemeindesaal funktioniert nicht: wenn man raus und wieder rein muss, kommen nur sehr wenige, also muss Kirchenkaffee in der Kirche sein, an einem behaglicheren Ort. Das wird jetzt möglich, vorwiegend als Stehkaffe auf fußbodenbeheizten Steinplatten, ein paar mehr Sitzgelegenheiten werden wir noch finden, Büchertisch gleich inklusive. Wer mal in der Jakobikirche zu tun hat und einfach das Hauptportal öffnet, wird erleben, dass ständig Leute hereinkommen und sich umschauen. Deshalb bewegt uns schon lange der Wunsch nach einer offenen Kirche. Bisher ist das immer am Personal gescheitert: wer passt auf, wer kann mal ein paar Fragen beantworten oder ist einfach zum Gespräch da. Auch wenn es weiter unser Wunsch bleibt, dass sich ein Team „Offene Kirche“ findet, das sich genau dafür einsetzen will, haben wir - wenn noch ein paar Kleinigkeiten komplettiert sind - als ersten Schritt die Möglichkeit, eine Seitentür zu öffnen und den Besuchern zumindest Zugang in den neuen Raum unter der Empore zu ermöglichen. Damit ist ein Blick in den Kirchenraum möglich, vielleicht werden wir auch noch eine Andachtsecke für Besinnung und Einkehr einrichten, auch das Einspielen von Musik wäre denkbar.

3. Elektrik und Beleuchtung
Die Sanierung der Elektroinstallation war ein weiteres großes Thema zunächst mal mit dem banalen Ziel, überall ausreichend Strom ohne Sicherheitsrisiko und mit deutlich weniger Kabeln kreuz und quer durch den Kirchenraum zu erreichen. Wir brauchen jetzt zum Staubsaugen keine 20 m Verlängerungskabel mehr und der Beamer geht nicht mehr aus, wenn das Licht oder die Heizung ausgeschaltet werden, Kabeltrommel nebst Zuführung im Kirchenschiff sind verschwunden. Zusätzlich haben wir jetzt 2 Starkstrom-steckdosen im Altarraum für anspruchsvollere Veranstaltungen (haben wir zum Jona-Musical schon gebraucht), sowie einige schaltbare Steckdosen, wo Scheinwerfer angeschlossen werden können, die dann vom Technikplatz angesteuert werden (beim Krippenspiel erstmals voll ausgereizt). Bei der Neugestaltung der Beleuchtung gab es drei Ziele:
1. ein freundlicher Raumeindruck
2. Die Gesangbücher sollen an jedem Platz und bei jeder Witterung und Tageszeit gut lesbar sein
3. die Akteure im Altarraum sollen gut sichtbar sein
Bei den Zielen 1 und 2 haben wir deutliche Verbesserungen erreicht. Das neu bemalte Gewölbe wird dezent ausgeleuchtet, der Altar ist hell, das Gesamtbild ist mit dem trüben Erscheinungsbild der Vergangenheit nicht mehr zu vergleichen. Bewusst haben wir uns für moderne Leuchtmittel entschieden, die das historische Gebäude zu mehr machen als nur einem Denkmal. Bezüglich Ziel 3 haben wir die längste Zeit gebraucht, aber nun sind die nötigen Ergänzungsleuchten installiert, so dass z.B. auch am Pult eine gute Beleuchtung gewährleistet ist. Was ein weiterer Vorteil ist: die Beleuchtung lässt sich nicht nur aus der alten Sakristei, die übrigens jetzt komplett in einen Funktionsraum umgestaltet wurde, schalten, sondern auch per Laptop vom Technikplatz. Also auch während einer Veranstaltung kann die Beleuchtung ständig optimiert werden, viele Lampen lassen sich stufenlos dimmen. Und das alles mit einem weitestgehend selbsterklärenden Schalttablett – Technikteam und Kirchenvorstand sind hier eingeweiht.

4. Besser hören - Beschallung
Auch wenn wir hier vor der eigentlichen großen Sanierung schon einiges machen konnten, hatten wir ja weitere Verbesserungen angekündigt. Da wäre zunächst die Ergänzung der Lautsprecher durch zwei weitere Kugeln im hinteren Teil des Kirchenschiffes. Dadurch wird vor allem die Sprachverständlichkeit dort sowie auf den Emporen deutlich verbessert. Bei ganz voller Kirche können wir als Unterstützung die alten Tonsäulen auf den Emporen dazunehmen (was sich z.B. beim Konfirmations-Gottesdienst schon bewährt hat). Gut verstärken kann man nur, wenn auch ein gutes Signal kommt: Dazu braucht es gute Sprecher, die in die richtigen Mikrofone richtig hineinsprechen. Wir wollen uns im Technikteam bemühen, die verschiedenen Sprecher immer wieder darauf hinzuweisen. Nach der positiven Resonanz auf einen Gottesdienst mit Headset (das ist ein Mikrophon, das direkt am Kopf befestigt ist) haben wir uns entschieden, uns ein solches zu leisten. Aus der Nähe vielleicht für den einen oder anderen bei der Pfarrerin optisch noch gewöhnungsbedürftig, aber schon aus der Kirchenmitte kaum noch zu erkennen, bietet es einfach deutliche Vorteile für die Nutzer, die sich frei an jedem beliebigen Ort der Kirche bewegen können, ohne dass die Verständlichkeit darunter leidet. Übrigens: in der Nähe des Mittelganges hört man besser als an den Seiten. Auch für die Techniker ist manches leichter geworden, auch wenn die Aufgaben gewachsen sind. Statt ein Mischpult schief und halb versteckt seitlich auf der Kirchenbank bedienen müssen, gibt es jetzt mehr Kanäle, um eine Band vernünftig abmischen und Musik von CD/MP3/Stick leichter einspielen zu können. Die Predigtaufnahme hat sich vereinfacht und eine Vielzahl von Details rund um das Mischpult haben sich verbessert. Ganz wichtig: die Induktionsschleife, die für Schwerhörige deutliche Verbesserungen bietet (s. Kasten), die separate Beschallung des Babykrabbelbereichs unter der Orgelempore hinter Glas und viel weniger herumliegende Kabel. Unterstützt wird das alles dadurch, dass der Schallschutz zur Straße durch die Schallschutzverglasung deutlich besser geworden ist. Wie schnell man doch vergisst, wie laut es früher manchmal war. Trotz allem bleibt unsere schöne Kirche ein akustisch anspruchsvoller Raum, wo es nie so klingen wird wie im eigenen Wohnzimmer. Wenn die Sprecher gut die Mikros nutzen, die Techniker ihr bestes geben (wovon Sie ausgehen können!), jeder, der nicht mehr so gut hört, die Unterstützungsmöglichkeiten nutzt und wir in Liebe miteinander umgehen, wenn es mal nicht so gelingt, werden wir viele wohlklingende Gottesdienste miteinander feiern können! Sie erwägen die Anschaffung eines Hörgerätes? Sie besitzen bereits eins?
Achten sie darauf, dass sie eine „T“-Einstellung (für Telefonieren) wählen können. Sie haben dann im gesamten unteren Kirchenschiff durch die Induktionsschleife eine exzellente Übertragungsqualität! Auch wenn Sie kein Hörgerät haben, aber nicht mehr so gut hören wie früher, können wir Ihnen jetzt etwas ganz besonderes anbieten: Einen Kopfhörer mit Empfangsgerät, durch die Induktionsschleife angesteuert, unauffällig und einfach zu bedienen, ebenfalls mit ganz hervorragender Qualität. Wir haben erstmal ein Gerät angeschafft. Probieren Sie es aus! Sprechen Sie vor dem Gottesdienst den Techniker am Mischpult an; er bereitet alles vor und erklärt es Ihnen gerne. Und wenn Sie dann überzeugt sind und das öfter nutzen möchten, lassen Sie uns darüber sprechen, wie wir ein weiteres Gerät finanzieren können bzw. Sie sich Ihr persönliches anschaffen können. Die Kosten liegen übrigens bei gut 200,00 €.

5. Besser sehen - Video Projektor (Beamer)
Bilder, Videos oder Liedtexte an eine Leinwand werfen, das hat man früher mit Tageslichtprojektoren (Polylux) gemacht, seit einigen Jahren haben wir für den Kindergottesdienst Bakigo einen Beamer im Einsatz, den wir gelegentlich auch in der Kirche verwendet haben. Dazu mussten wir dann eine Leinwand aufbauen, ein Brett zwischen den Bankreihen installieren, Stromkabel verlegen und einen Bediener dort postieren. Trotz aller Mühe – wenn die Sonne schien, war nicht wirklich viel zu sehen. Nach langem Suchen hat das nun ein Ende. Den dunkelsten Platz in der Kirche haben wir für eine Leinwand ausgewählt: Die Fläche über der Kanzel. Obwohl fest installiert und optisch unauffällig, kann sie für besondere Anlässe auch entfernt werden. Der Beamer ist im neu gestalteten Lesepult der Kanzel versteckt, dessen Ablagefläche dadurch etwas höher geworden ist, was bei Nutzung der Kanzel ohnehin von Vorteil ist. Die Steuerung erfolgt vom Technikplatz mit demselben Laptop, der auch für die Beleuchtungssteuerung der Kirche, die Predigtaufnahmen und das Abspielen von CDs und DVDs verwendet werden kann. – Wieder eine Vereinfachung, die im übrigen auch dem leidigen Liedzettelkopieren ein Ende setzt. Und keine Sorge: es wird auch weiterhin Gesangbücher geben.
Matthias Rudloff





Wiedereröffnung der Jakobikirche 2010

Wiedereröffnung nach Sanierung der Jakobikirche am 28. Novmber 2010 (1. Advent)

Als wir die Altarkerzen am 13. August 2009 am Ende des Gottesdienstes aus der Kirche hinausgetragen haben, lag die Arbeit vor uns, deren weitgehenden Abschluss wir am 1. Advent gefeiert haben. Anfangs hat niemand wirklich gewusst, wie die Kirche am Ende aussehen würde. Vieles stand fest; manches ist Ergebnis der Entwicklungen, die so ein Bauvorhaben nimmt. (Hier denke ich an erster Stelle an die wunderbare Gewölbemalerei!) Aber eins steht fest. Für uns als Kirchgemeinde ist es Geschenk; wir haben uns das nicht verdient, sondern wir haben das Ergebnis Umständen und Menschen zu verdanken, die sich in vielfältiger Weise für uns eingesetzt haben! Da sind zuerst unsere Stadt Freiberg sowie die Mitarbeiter der Stadtbau GmbH zu nennen. Wir sind sehr dankbar, dass die Jakobikirche in das Städtebauförderprogramm aufgenommen worden ist! Ohne die umfangreiche Unterstützung der Landeskirche Sachsens wäre diese Sanierung ebenfalls nicht möglich gewesen! Nicht wegzudenken aus allem Baugeschehen ist unser Architekt Uwe Gerschler, der die Bauleitung hatte und mit großem Einsatz die Fäden in der Hand hielt, was sowohl den fachlichen und organisatorischen Ablauf betraf wie auch das finanzielle Budget! Danke an alle Handwerker, die ihre Arbeit einfach gut gemacht haben! Mit dem Kirchenvorstand Bauherr für eine große Kirche zu sein, ist trotz allem nicht leicht gewesen, darum an dieser Stelle auch ein Dank nach „innen“ an den Bauauschuss, zu dem sich einige engagierte Leute der Gemeinde zusammen gefunden haben: ihr habt so manches besprochen und geplant, manches erwogen und wieder verworfen und so mit dazu beigetragen, dass das Ergebnis durchdacht und deshalb gut geworden ist!

Dank auch an alle, die Zeit und Kraft investiert haben, um bei den Putzeinsätzen mitzumachen und damit in der Endphase des Baugeschehens wertvolle Eigenleistung erbracht haben! Dass sich von Kindern über Konfirmanden bis zu den Senioren viele nicht zu schade waren, sich dem Baudreck auszusetzen, um ihn schlussendlich zu bezwingen oder auch für ein stärkendes Frühstück liebevoll zu sorgen, ist ein schönes Zeichen unseres Miteinanders gewesen! Ohne die Vorsitzende unseres Kirchenvorstandes, Veronika Günther, allerdings hätte ich mir die Zeit des Baus nicht vorstellen mögen. Einen Großteil der Zeit, in der sie nicht durch ihre Berufstätigkeit außer Haus war, hat sie über die vielen Monate diesem Projekt zur Verfügung gestellt, um den Baufortschritt unter allen erdenklichen Aspekten im Blick zu haben und voranzubringen. Um nur wenige herauszugreifen: ihre Präsenz bei (fast) allen Bauberatungen, zunächst einmal, später zweimal wöchentlich; die Sorgfalt, mit der sie sich darum gekümmert hat, dass die richtigen Rechnungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren; die Mühe, sich in unzählige Details hineinzudenken, um Probleme rechtzeitig zu erkennen und lösen zu helfen; die vielen anspornenden und aufmunternden Worte für die Handwerker; nicht zuletzt ihr Putz- und Aufräum-Einsatz. Insgesamt unzählige Stunden, die niemand hat zählen oder vergüten können. Mir fällt nur ein: Veronika, vergelt’s Gott! Danke an Herrn Superintendent Christoph Noth, der sich den ersten Advent 2010 langfristig für die Festpredigt freigehalten hat! Um es zusammenfassend zu sagen: In allem sind Segensspuren unseres Gottes sichtbar! Ihm gehört unser Dank für alle Bewahrung und für alles Gelingen! Ich wünsche uns miteinander, dass uns die erneuerte Kirche hilft und daran erinnert, dass unser Gott uns immer wieder zum Neuanfang mit ihm einlädt. Denn eine schöne, erneuerte Kirche ist keine Garantie für eine schöne Gemeinde. Es ist und bleibt unsere Herausforderung: die Kirche (und alles, was wir im Namen unseres Herrn wo auch immer tun) mit Leben zu füllen, das vom Heiligen Geist geprägt und geleitet wird. Nur so können wir Gemeinde sein, die lebt, weil wir Gott erleben; die wächst, weil Gott Menschen hinzufügt und die sich weiter entwickelt, weil Gott uns auf dem Weg führt. Darauf freue ich mich!
Pfarrerin Gundula Rudloff

Auszüge aus den Festreden

Jakobikirche: Tor zum historischen Freiberg
von Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm

Licht als allen Anfang bestimmendes Urelement, als Symbol für Geburt und Aufbruch macht auch hier in dieser Kirche der Evangelisch-Lutherischen Jakobi-Christophorus Kirchgemeinde Freiberg, auf einen Neubeginn aufmerksam. Aber auch die lange fehlende korrekte Uhrzeit – zwei mal am Tag war die Angabe ja schließlich exakt – war für diese Kirche, für diese Gemeinde und ihre Pfarrerin Gundula Rudloff im Sinne eines afrikanischen Sprichwortes vielleicht auch Symbol: Ihr habt die Uhr – und wir haben die Zeit. - Nicht zum Bummeln, sondern Zeit, um mit großem Vertrauen und noch größerem Engagement die Sanierungsarbeiten für die nun mögliche Wiedereröffnung in der Adventszeit zu begleiten. Ich freue mich, dass die Jakobikirche heute nach umfangreicher und langer Sanierung wieder ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Die Wiedereröffnung markiert das Ende eines langen Prozesses, der bereits in den 90er Jahren mit der Sanierung des Turmes begann. Jetzt ist der letzte von drei Bauabschnitten abgeschlossen und damit ist es ein echter Neubeginn. Wir schätzen uns heute alle glücklich, dass die Kirche in neuem Glanz erstrahlt und der Gesamteindruck für mich wirklich überwältigend ist. Liebe Mitglieder der Festgemeinde, sie können sehr stolz auf das Ergebnis der Sanierung sein, ist es doch auch ein Ausdruck ihres Engagements, der Initiative Ihrer Gemeinde, die aktiv ihren Teil zur Sanierung beigetragen hat, denn nicht alle Maßnahmen konnten durch Fördergelder abgedeckt werden. Deshalb gilt Ihnen und allen Beteiligten sowie den Einrichtungen und Unternehmen, die das Vorhaben mit Spenden unterstützt haben, mein ganz herzlicher Dank! Die Sanierung dieser Kirche zeugt jedoch nicht nur von beeindruckenden individuellen Leistungen, sondern ist auch ein gutes Beispiel für großes öffentliches Engagement, da die Instandsetzung und Modernisierung auch umfassend durch das Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ gefördert wurde - Bund, Land, die Stadt Freiberg aber auch die Ev.-lutherische Landeskirche steuerten beträchtliche Eigenanteile bei. Die Gesamtkosten der in den ersten drei Bauabschnitten realisierten Sanierungsmaßnahmen bewegen sich heute im Millionenbereich. Als 1890 bis 1892 dieser neogotische Bau an die Stelle der alten Kirche trat, kostete der Neubau rund 200000 Mark. So ändern sich in den Zeiten die Relationen. Über die Finanzierung debattierte der Stadtrat damals übrigens lange, genauso wie über die Notwendigkeit des Abrisses der alten Kirche - manchmal ist heute alles wie früher – nur anders! Im Hinblick auf die 850 Jahrfeier in unserer Stadt freue ich mich jedenfalls auch sehr, dass die Jakobikirche wieder im alten Glanz erstrahlt. Prägt sie doch mit ihrem markanten Turm wesentlich die Silhouette unserer Universitätsstadt Freiberg und ist besonders für Besucher auf dem Weg von oder nach unserer Landeshauptstadt Dresden ein Tor zum historischen Freiberg. Deshalb sage ich in diesem 20. Jahr nach der Wiedervereinigung Deutschlands: Wer nach „blühenden Landschaften“ sucht, wird auch in Freiberg fündig, wobei die augenfälligen Erfolge in unserer Stadt und eben auch die Sanierung der Jakobikirche nicht ohne die Hilfe aus den Alt-Bundesländern denkbar gewesen wären. Glück auf!

Viele kleine Beiträge können Großes bewirken
von Gerd Norzinski, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung der Jakobikirche e.V.

Es erfüllt mich heute mit etwas Stolz und auch Ergriffenheit, dass unser Mitdenken und Mittun (gemeint ist nicht nur der jüngste Einsatz zum Erhalt der Kirche, sondern auch der aus länger zurückliegenden Zeiten, Anm. der Red.) auch mit dazu beigetragen hat, dass wir heute so eine schöne sanierte Kirche wieder nutzen können. Aber all diese Schönheit hat auch ihren Preis und kostet viel Geld. Danke an dieser Stelle allen Spendern. Ich möchte Sie aber weiterhin bitten zu spenden. Auch viele kleine Beträge können Großes bewirken und so hoffen wir, die Kirche noch lange und noch für viele Generationen zur Freude der Menschen und zur Ehre Gottes erhalten zu können.

Aus Liebe zu Gott und den Menschen Gemeinde entwickeln
von Falk Gneuß, Kirchenvorsteher

Eine lebendige Gemeinde wie Jakobi-Christophorus braucht auch eine Kirche, die zu unserem Leben passt. Darum freuen wir uns auch sehr darüber, dass es nicht bei einer Sanierung geblieben ist, sondern auch Errungenschaften der modernen Technik umgesetzt wurden. So werden zukünftig im „Aquarium“ unter der Orgel Familien mit kleinen Kindern relativ stressfrei am Gottesdienst teilnehmen können. Wir haben in die Tontechnik investiert, denn damit Gottes Wort unser Herz erreicht, kann es von Nutzen sein, den Weg zu unserem Ohr etwas zu optimieren. Ganz toll finde ich auch die Schallschutzverglasung, die darauf Rücksicht nimmt, dass auf der Straße keine Pferdefuhrwerke, sondern LKW und Krankenwagen fahren. Mit anderen Worten: der Aufwand hat sich wirklich gelohnt! Deshalb danke ich im Namen des Kirchenvorstandes der Stadt Freiberg für allen – nicht selbstverständlichen – Einsatz, für die ausnehmend wohlwollende Begleitung und Unterstützung dieses Bauvorhabens. Nicht nur darum sind wir sehr an einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Stadt Freiberg interessiert. Wir wollen uns - nach unseren Möglichkeiten – für die Menschen unserer Stadt einsetzen und bieten hier ausdrücklich unsere Mitarbeit an. Großer Dank gilt auch unserer Landeskirche, die umfangreiche Teile der stattlichen Bausumme übernommen hat. Damit wird auch ein Zeichen dafür gesetzt, dass sie das Gemeindeleben in dieser Kirche fördern will. Und nun liegt der Ball wieder bei uns! Lassen Sie uns diese Kirche mit Leben füllen! Das hier ist kein Museum, sondern ein Ort, wo wir uns als Gemeinde zusammen finden. Möge es ein Ort sein und wieder werden, wo viele Menschen Gott finden und erleben können! Als Kirchenvorstand wünschen wir uns, dass wir in guter Zusammenarbeit und Ergänzung mit den anderen christlichen Gemeinden unserer Stadt Akzente finden, diese leben und damit auch zur Einheit unter uns Christen beitragen. Ein Wunsch noch nach innen: Diese Kirche hat durch ihre Stellung in der Stadt eine Außenwirkung! Ich wünsche uns jetzt, dass wir lernen, diese in Weisheit zu nutzen. Wir sind dabei auf dem Weg und es ist egal, in welcher Straße wir wohnen und ob eine Bahnlinie oder ein Feld oder zwei Dörfer dazwischen liegen. Und so schön diese „fast neue“ Kirche auch ist, die Kapelle Zug wird weiter ein wichtiger Treffpunkt unserer Gemeinde sein. Das gemeinsame Weitergehen als Gemeinde bedingt aber, dass wir alle versuchen – und dazu möchte ich ermutigen – das persönliche Befinden und die privaten Vorlieben nicht in den Vordergrund zu stellen. Wir haben den Auftrag, den jede christliche Gemeinde von ihrem Gründer bekommen hat, ihn und die Menschen zu lieben und aus dieser Motivation heraus Gemeinde zu entwickeln.

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. (Psalm 26,8)
von Pfr. i.R. Wolfgang Milde (1978-1998 in Jakobi) aus Pirna

Die schöne Deckenbemalung ist eine Augenweide. Sie will mit dem floralen Schmuck an das Paradies im Himmel erinnern und unsere Gedanken auf das Ziel unseres Lebens lenken. Liebe Festgemeinde, nun ist die St. Jakobikirche wieder ein Schmuckstück, eine Zierde der Gemeinde und ein architektonischer Glanzpunkt in der Stadt. Es ist nun an Ihnen, sie mit dem Schönsten zu schmücken, was eine Kirche schmücken kann: eine große Schar Menschen, die sich gern und regelmäßig darin versammeln, um Gott die Ehre zu erweisen, sein Wort zu hören und dies mit ihrem Leben zu gestalten.

Pressestimmen

Freie Presse vom 10.01.2011

Nicht wiederzuerkennen  

Freie Presse vom 29.11.2010

Jakobikirche glänzt im Farbkleid  

Wochenspiegel vom 27.11.2010

Wiedereröffnung der Jakobikirche  

Freie Presse vom 16.11.2010

Neugotische Rankenbemalung  

Freie Presse vom 07.09.2010

Ein Gotteshaus voller Leben

Freie Presse vom 30.06.2010

Glockenstuhl hält noch

Freie Presse vom 14.04.2010

Säulen erhalten Rankenschmuck

Freie Presse vom 09.08.2009

Verjüngungskur





Gewölbemalerei anstelle eines neuen Glockenstuhles

Vor Vergabe der Aufträge zur Sanierung wurden die statischen und dynamischen Belastungen des Glockenstuhles und der Glocken vom Statiker detailliert geprüft und berechnet. Dabei zeigte sich, in Abweichung zu den Aussagen des Glockensachverständigen der Landeskirche aus den Jahren 2002 bzw. 2003, dass nach Durchführung einiger Rostschutzarbeiten die Lebensdauer des Glockenstuhles noch einige Jahrzehnte umfassen wird.

Das ist gleichermaßen erfreulich wie unangenehm. Unangenehm, weil es unsere umfangreichen Bemühungen um finanzielle Mittel für den Glockenstuhl im Nachhinein als unnötig darstellt und die bereitgestellten Spendengelder so nicht bzw. nicht in dem Umfang verwendet werden können. Erfreulich, weil dadurch die Eigenmittel der Gemeinde für Maßnahmen im Kircheninnenraum verwendet werden können, die nicht durch die Städtebauförderung abgedeckt sind. Da es aufgrund permanenter Verminderung des Geldwertes nicht sinnvoll ist, gespendete Gelder über Jahrzehnte zurückzulegen, wird der Kirchenvor-stand beschließen, die für den Glockenstuhl gebildete Rücklage für die nicht förderfähigen Arbeiten im Innenraum umzuwidmen.

Dabei sind wir zunehmend von der Perspektive begeistert, Teile der historischen Rankenbemalung am Gewölbe wieder aufbringen zu lassen. Dies ist nur mit dem z. Zt. aufgebauten, aufwändigen Raumgerüst möglich. Ebenso besteht die Möglichkeit, Gelder für die Anschaffung technischer Einrichtungen zu nutzen. Auch für Lampen brauchen wir noch erhebliche Eigenmittel.

Von der teilweisen Wiederherstellung der historischen Gewölbemalerei versprechen wir uns einen großen Gewinn für die Schönheit des Kirchenraumes, die mit der neuen Beleuchtung zur vollen Geltung kommen wird.
Veronika Günther





Glockenbrief 2009

Der Stahlglockenstuhl, der im Kirchturm die Glocken trägt, ist in die Jahre gekommen. Rost und mechanische Abnutzungen haben den Glockenstuhl und sogar den Turm selbst statisch in Mitleidenschaft gezogen.
Im Zuge der umfangreichen Bau- und Rekonstruktionsmaßnahmen an unserer Kirche muss der Glockenstuhl saniert werden, indem der vorhandene durch einen Holzglockenstuhl ersetzt werden soll. Dies bedingt auch einen Austausch der jetzigen Stahlguß-Glocken durch Bronzeguß-Glocken.

Glockenbrief  

Das Geläut bestand ursprünglich aus drei Bronceglocken, von denen die zwei größeren im Krieg eingeschmolzen und 1955 durch zwei Stahlglocken auf einem Stahlglockenstuhl ersetzt wurden. Dieser Glockenstuhl habe den Nachteil, dass alle Schwingungen des Geläuts direkt auf das Bauwerk übertragen werden und zu Beschädigungen des Turmes führten. Jetzt soll der Stahlglockenstuhl durch einen aus Holz ersetzt werden. Da dieser mehr Platz einnimmt, müssen auch die beiden Stahl-Glocken durch einen Nachbau der ehemaligen Bronze-Glocken ersetzt werden.
Matthias Rudloff

Pressestimmen

Freie Presse September 2009

Glockenbriefe für das Geläut  

Kulinarisches zur Rettung  

Großspende für Glocken  

Neue Glocken für Jakobikirche  





Die Glocken der Jakobikirche

Die Glocken der Jakobikirche - über dieses Thema hat man mich gebeten, etwas für Gemeinde aktuell zu schreiben. Da ich bisher gar nichts über diese Glocken weiß, sitze ich über einem Stapel alter Akten aus dem Gemeindearchiv und versuche, mich schlau zu machen. Stapelweise Kostenvoranschläge von Glockengießereien, Erläuterungen über elektrische Läutewerke, Zeitungsartikel über Glocken-Einweihungsfeiern und Fotografien aus den 50er Jahren mit einem Lastwagen, der Glocken anliefert. Schier überwältigt von der Flut der Dokumente frage ich mich, wer hat die Glocken eigentlich erfunden? Sie müssen sehr alt sein, denn schon frühromanische Kirchen haben Glockentürme. In der Spätantike stand der Turm frei von der Kirche, wie sich noch an vielen Beispielen, z.B. in Italien erkennen lässt. Aber seit wann gibt es dann die Läutewerke? Ein erster Versuch mit Griff ins Bücherregal Architektur - Romanik, liefert zwar Informationen über Glockentürme, aber kein Wort zu den eigentlichen Glocken. Der zeitgenössische Mensch würde nun im Internet nachschauen. Ich blättere dagegen weiter munter in den alten Papieren und werde überraschend schnell fündig: Eine kleine Broschüre vom Ende des 19.Jh. schildert nach dem Abdruck von Schillers Die Glocke die Geschichte und das Herstellungsverfahren für Glocken -spannend!

Nach der Legende sei Pontius Meropius Paulinos im 5.Jh. durch einen Wald gegangen und habe beim Anblick der Glockenblume die Idee zur Herstellung metallischer Glocken gehabt. Vermutlich verwendeten schottische Klöster seit dem 6. Jh. Glocken. Im Jahre 1100 berichtet der Mönch Theophilus aus Westfalen über die Technik des Glockengusses. Wie werden nun Glocken hergestellt? Auch hierüber gibt das Heftchen präzise Auskunft: Der Kern der künftigen Glocke wird aus Ziegelsteinen aufgemauert, die mit einer Lehmschicht überzogen werden. Der Kern wird mit Talg bestrichen und aus Lehm die eigentliche spätere Glocke - die so genannte Dickung - darüber geformt. Inschriften und Verzierungen werden aus Wachs auf die Dickung aufgeklebt. Die Dickung wird mit Fett bestrichen und darüber aus Lehm der Glockenmantel aufgebracht. Um die Dickung zu entfernen und einen auszugießenden Hohlraum zu schaffen, wird der Mantel angehoben, die Dickung zerschlagen und der Mantel mit entsprechendem Hohlraum wieder über dem Kern platziert. In den Hohlraum wird nun das geschmolzene Metall - häufig Bronze- gegossen. Nach der Abkühlung wird der Mantel entfernt und die Glocke lässt sich vom Kern abheben.

Die Broschüre lehrt auch, dass die größte Glocke der Welt eine Masse von 190 t aufweist und sich in Moskau befindet. Die Kaiserglocke im Kölner Dom von 1876 bringt es immerhin noch auf eine Masse von 26 Tonnen. Nachdem wir soviel über Glocken im Allgemeinen erfahren haben, nun zu den Glocken der Jakobikirche: Die Jakobikirche wurde 1890 bis 1892 erbaut. Die romanische Vorgängerkirche war baufällig und nach einiger Diskussion in den 80er Jahren des 19.Jh. über zu treffende Maßnahmen wurde deren Abriss und ein Neubau beschlossen, Die Fotografie in Abb. 1 zeigt die Glocken der alten Jakobikirche, aufgenommen im Jahre 1890. Was mit diesen Glocken geschah, ist nicht bekannt. Verschiedene Ausschnitte aus dem Freiberger Anzeiger und Tageblatt schildern ausführlich die Grundsteinlegung der neuen Jakobikirche 1890, das Richtfest des Turmes 1891 und schließlich die Einweihungsfeier der neuen Kirche im Jahre 1892. Die Jakobi- Gemeinde durfte in den Jahren 1887 - 1892 ihre Gottesdienste in der Nikolaikirche feiern. Im Jahre 1892 erhält die Jakobikirche auch drei neue Bronze-Glocken in den Tönen H, Dis und Fis:

  • Die große Glocke: 45 Zentner, Inschrift: Ehre sei Gott in der Höhe!
  • Die mittlere Glocke: 23 Zentner, Inschrift: Friede auf Erden!
  • Die kleine Glocke: 13 Zentner: Inschrift: Den Menschen ein Wohlgefallen!

Die Glockenweihe fand am 27. Januar 1892 statt. Vom feinen Kulturgeschmack jener Zeit zeugt auch das musikalische Programm der Nachfeier der Jakobiglocken- weihe: Außer Schillers Lied von der Glocke mit Musik von K. Stör wurde u.a. die As-Dur Polonaise von Chopin auf einem Bechstein-Flügel dargeboten. Diese Nachfeier muss großen Anklang gefunden haben, finden sich doch viele positive Kritiken hierüber in den alten Unterlagen. Während der beiden Weltkriege wurden im Zuge der Metallknappheit auch Kirchenglocken beschlagnahmt. So erhält die Jakobigemeinde 1917 die Aufforderung, die beiden kleineren Glocken abzugeben. Es finden sich Einsprüche der Gemeinde von 1918 gegen diesen Erlass, die offenbar Erfolg zeigen: Die Jakobi-Kirche darf ihre drei Glocken behalten. Weniger Glück hat die Kirche leider im Jahre 1940. In einer Liste an den Herrn Landesdenkmalpfleger müssen die Glocken der Jakobi- Kirche angegeben werden mit dem Hinweis, dass bisher keine Glocken der Jakobi-Gemeinde abgegeben worden seien. Einige Zeit später folgt eine Anordnung zur Glockenabnahme wegen Beschlagnahmung der Bronzeglocken. Hier wird die Abnahme der großen und der mittleren Glocke gefordert. Dass dies auch wirklich geschah, belegt eine Bescheinigung über deren Abnahme vom 13. Januar 1942. Darin wird erwähnt, dass die Glocken aus technischen Gründen für die Abnahme zerschlagen wurden und keine Schallplattenaufnahmen vom Klang der Glocken vorher angefertigt worden seien. Ein vertraulicher Runderlass vom 11. Dezember 1941 an die Kirchen- vorstände schreibt vor, dass Glockenabnahmefeiern zu unterlassen seien! Die Gemeinde darf somit nur die kleine Glocke behalten. Und wie geht die Geschichte weiter? Wie kam die Jakobikirche wieder zu ihren drei Glocken? Auch hier wird man in den Archiven fündig: Am 24. Oktober 1952 wird ein Liefervertrag mit der Gießerei Schilling in Apolda geschlossen zur Lieferung von zwei Glocken:

  • Einer großen Glocke mit einer Masse von 2000 kg, Ton Es
  • Einer kleinere Glocke mit 800 kg, Ton As.

Es ist interessant zu lesen, dass die Glocken per Gewicht bezahlt wurden, genau 2 DRM/kg. Die Weihe der neuen Glocken findet am 6. April 1955 statt. Diese Glocken befinden sich auch heute noch auf dem Turm der Jakobikirche und haben im nunmehr vergangenen Jahr ihren 50. Geburtstag gehabt. Wir wünschen ihnen auch weiterhin alles Gute und dass sie noch lange zur Ehre Gottes ihr Geläute erklingen lassen!
Bernd Bitnar





Das alte Jakobipfarrhaus

Bis zur Fertigstellung des neuen Pfarrhauses an der Dresdner Straße im Jahr 1891 diente das Gebäude Pfarrgasse 36 als Pfarrhaus. Die 1890 abgebrochene Jakobikirche stand etwa im Bereich des heutigen Hauses Dürer des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Sie war vermutlich die Pfarrkirche der nach dem Silberfund 1168/69 entstandenen Bergleutesiedlung, der "Sächsstadt". Das Grundstück gehörte zum Besitz des 1248 erstmalig genannten Nonnenklosters des Ordens der heiligen Maira Magdalena von der Buße.

Ganzer Artikel von Uwe Richter aus der Freien Presse vom 15. Juni 2019:

Das alte Jakobipfarrhaus  





Ein Gang durch die Pfarrgasse

Schon der Name “Pfarrgasse” lässt Kirchengeschichte vermuten, doch finden wir hier mehr als nur das alte Pfarrhaus. An der Stelle der Dürerschule stand bis 1890 die alte Jacobikirche. Sie wurde vermutlich um 1165 als Dorfkirche des damals hier gegründeten Dorfes Christiansdorf angelegt und war zugleich die Kirche des 1248 erstmals urkundlich genannten und nach der Reformation um 1540 aufgehobenen Nonnenklosters, an das der Name “Klosterschenke” für Pfarrgasse 35 erinnert.

Das von unserer Gemeinde jetzt ausgebaute Haus Pfarrgasse 36 war das Pfarrhaus der alten Jacobikirche. In seiner Bausubstanz geht es wohl auf das 15. / 16. Jahrhundert zurück. Sein hohes Alter wird auch durch seine schräge Lage zur heutigen Straßenführung bezeugt. Im Nordgiebel konnte man bis zur Sanierung ein stark verwittertes Relief von Gottvater sehen, das vermutlich einst die Außenwand der Jakobikirche schmückte. Es ist zu wünschen, dass eine Kopie dieses Reliefs künftig der alten Pfarre wieder eingefügt und damit die kirchliche Tradition des Hauses deutlich wird.

Das Gebäude der “Oberschule Geschwister Scholl, Haus Jacobi” ist die alte, 1868 erbaute Jacobischule. Ob diese vor 1868 ein eigenes Gebäude hatte, müsste noch erforscht werden. Die Nachbarschaft von Pfarrhaus und Schule lässt auch ohne urkundlichen Nachweis Zusammenhänge vermuten, wie sie früher allgemein zwischen Kirche und Schule üblich waren. Das ernestinische Sachsen (mit der Residenz Wittenberg) erhielt 1528 durch Luthers Mitstreiter Melanchthon, eine Schulordnung, das albertinische Sachsen (zu dem Freiberg gehörte) 1580.

Seitdem und bis 1921 hatten die Superintendenten und Pfarrer die Schulaufsicht und die Kantoren waren zugleich Lehrer. An diese jahrhunderte langen Leistungen der Evangelisch-Lutherischen Kirche für das Schulwesen erinnert der Name Jacobischule und deren Standort gleich neben dem alten Pfarrhaus.

Freiberger Reformationsgeschichte ist am Haus Pfarrgasse Nr. 18 zu sehen. Während sich im ernestinischen Sachsen bis 1525 die lutherische Kirche entwickelt hatte, hielt der albertinische Herzog Georg in Dresden bis zu seinem Tod 1539 am katholischen Glauben fest. Sein Bruder Heinrich der Fromme, der 1539 Georgs Nachfolger wurde und sogleich im ganzen Herzogtum die Reformation einführte, hatte aber in den ihm 1505 zugewiesenen Ämtern Wolkenstein und Freiberg bereits 1537 die Reformation eingeführt. Doch gab es schon vorher hier Evangelische, die sich zu dem neuen Glauben - trotz der Gefahr von Repressalien durch Herzog Georg - mit dem Losungswort “Gottes Wort bleibt ewig” bekannten. Vor 1537, unter Herzog Georg, gehörte dazu also persönlicher Mut. Solche hatte der damalige Hausherr von Pfarrgasse 18, der 1528 eine Schrifttafel mit dem Spruch “GOTTES WORT BLEIBET EWIK” anbringen ließ. Diese ist heute über der Haustür des 1862 umgebauten Hauses zu lesen.

Das in den Jahren 1555 / 63 von dem berühmtem Freiberger Oberbergmeister Martin Planer bewohnte und auf die heutige Größe erweiterte Haus Pfarrgasse 20 lässt außen kein christliches Motiv erkennen. Innen aber sind mehrere schwarz-weiß Wandmalereien biblischer Themen aus der Bauzeit des Hauses erhalten und bei der Sanierung durch Steinmetzmeister Neubert 1990 / 99 wieder sichtbar geworden, und zwar im Erdgeschoss. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, ferner ein segnender Christus und die heilige Dreifaltigkeit; im Obergeschoss: Gabriel, der Verkündigungsengel und Maria (eventuell auch anders zu deuten), die Auferstehung Christi sowie ein Kruzifix und auf Knien betend davor ein Bergmann und ein Hüttenmann. Das letztgenannte Motiv, wohl auf M. Planer zurückgehend, lässt reformatorisches Denken erkennen: Der Mensch (in diesem Fall Berg- und Hüttenmann) in direkter Beziehung zu Christus, ohne Zwischenschaltung von Heiligen.

Auf dem in die Fassade von Pfarrgasse 11 anlässlich der Sanierung des Hauses 1962 eingefügten Stein sehen wir außer der Jahreszahl und dem Geologenzeichen Hammer und Ammonshorn das Monogramm des Hausherrn, OM. Der Freiberger Künstler Helmut Rudolph, der diesen Stein entworfen hat, ergänzte den senkrechten Mittelstrich des W in voller Absicht zu dem christlichen Symbol des Kreuzes.

Am südlichen Ende der Pfarrgasse regt der im 15. Jahrhundert erbaute Donatsturm der Freiberger Stadtbefestigung noch zu einem Blick in die Kirchengeschichte an. Der Heilige Donatus, geboren um 300, Bischof von Arezzo südöstlich von Florenz, bei einer Christenverfolgung des Kaisers Julian Apostata am 7. August 362 in Arezzo mit dem Schwert getötet, war neben Johannes, dem Evangelisten ein Schutzheiliger des 968 gegründeten Bistums Meißen. Dort sieht man im Hohen Chor des Domes Standbilder dieser Patrone des Bistums neben Statuen der Bistumsgründer, Kaiser Otto I. und seiner Frau Adelheid.

In Freiberg stand im Mittelalter unweit der jetzigen Jacobikirche auf dem Gelände des Donatsfriedhofs eine Donatskirche, von der allerdings nichts mehr erhalten ist. Nur die Namen Donatsfriedhof und Donatsturm erinnern heute daran, wie damals in Freiberg der Patron des Bistums Meißen verehrt worden ist.
Otfried Wagenbreth





Über die Anfänge der Jakobigemeinde

Vor tausend Jahren war unsere Gegend, das Gebiet südlich der Linie Meißen - Nossen - Döbeln noch von Urwald bedeckt. Das Land nördlich dieser Linie war nur locker von ackerbautreibenden Slawen besiedelt. Noch heute zeugen die auf -itz, -witz, -schütz, -itzsch und -a endenden Namen von Dörfern von ihrem slawischen Ursprung, wie zum Beispiel Miltitz, Robschütz, Mahlitzsch und Eula. Seit der Gründung des Bistums Meißen 968 durch Kaiser Otto I. hatten die Slawen - nun unter deutscher Herrschaft - das Christentum angenommen. Auf dem Burgberg von Meißen residierten neben den Bischöfen die Markgrafen von Meißen, seit 1089 solche aus dem Geschlecht der Wettiner.

Markgraf Otto von Meißen (ab 1156) rief aus Franken, Thüringen und (Nieder-) Sachsen überzählige Ritter- und Bauernsöhne und deren Familien ins Land, die sich hier eine neue Existenz schaffen sollten. Neben der Gründung neuer Dörfer im slawisch besiedelten Gebiet, wie z.B. Deutschenbora neben Wendischbora, rodeten einige von ihnen im Urwald, wo zuvor nur wenige "böhmische Steige", z.B. für Salzfuhrleute von Halle über das Gebirge führten oder wo slawische Fischer an slawisch benannten Flüssen wie Bobritzsch und Weißeritz ihrem Handwerk nachgingen.

Für diese Rodungsdörfer suchten die die Siedler führenden Ritter geeignete Plätze in den Tälern, wo Wasser als wichtigstes Lebensmittel vorhanden und die Talhänge nicht zu steil für die anzulegenden Äcker waren. Am Bach entlang - mit etwas Abstand - steckte der Ortsgründer entweder auf einer Seite des Baches oder auf beiden Seiten im Abstand von etwa 80 bis 100 Meter die Hofstellen für die einzelnen Bauern ab. Diese rodeten den Wald rechtwinklig zum Bach in 80 bis 100 Meter breiten Streifen hangaufwärts in solcher Länge, dass das Feld für die Ernährung ihrer Familie ausreichte. Der Ritter und Ortsgründer steckte für sich in diesen sogenannten Waldhufendörfern meist ein breiteres Stück Land ab, auf dem das Erbgericht entstand, daneben die Kirche, und in vielen Fällen wurde das Dorf nach ihm benannt. So entstanden u.a. Orte wie Kleinwaltersdorf, Conradsdorf, Berthelsdorf (von Berthold) und Hilbersdorf (von Hildebrand). Auch heute ungebräuchliche Vornamen finden wir in Dorfnamen, wie z.B. Tuto in Tuttendorf.

Die Jakobigemeinde entstand zwischen 1156 und 1162, als die des einseitigen Waldhufendorfes Christiansdorf. Das Rittergut (Erbgericht) wird im Bereich der ehemaligen Klosterschänke vermutet. Die Dorfkirche stand dort, wo heute die Dürerschule steht und war wohl dem damals in hoher Achtung stehenden Jacobus dem Älteren geweiht, zu dessen Grab in Santiago de Compostela viel benutzte Pilgerwege auch durch die Mark Meißen führten. Die Pfarrgasse war die Dorfstraße von Christiansdorf, an der wir uns etwa acht bis zehn Bauernhöfe und von diesen ausgehend die Waldhufen vorstellen müssen.

So hat Christiansdorf damals vielleicht fünfzig bis hundert Einwohner gehabt. Die geistliche Oberaufsicht hatte der Bischof von Meißen, doch kümmerten sich darum wohl auch die Mönche des 1162 gegründeten und 1175 mit Mönchen besetzten Zisterzienserklosters Cella Sanctae Mariae (Altzella) bei Nossen, dem Christiansdorf, Tuttendorf und Berthelsdorf von der Gründung 1162 bis um 1170 gehört hatten.

Im Gegensatz zu den anderen Dörfern der Rodungszeit, die noch heute bestehen, existierte Christiansdorf als Dorf nur wenige Jahrzehnte. Es ging in der Zeit um 1180/1210 in der damals entstehenden Bergstadt Freiberg auf und das kam so:

Im Umfeld der heutigen Gaststätte "Zum Oberberghauptmann" wurde 1168 der sogenannte Hauptstollngang, eine mit reichen Silbererzen ausgefüllte, etwa 0,5 bis 1m breite Erdkrustenspalte entdeckt. Markgraf Otto nahm deshalb - gegen reichlichen Ersatz bei Döbeln - den Mönchen von Zella die Fluren von Christiandorf, Tuttendorf und Berthelsdorf wieder ab, um über das Erz verfügen zu können, und erwarb von Kaiser Barbarossa das Eigentumsrecht an allem, hier im Boden verborgenen Silber. Dann gab er den Bergbau an jedermann frei, d.h. jeder durfte überall nach Silber schürfen.

Allerdings durften die vor allem aus Goslar herbeieilenden Bergleute nur zwei Drittel des Silbers behalten. Ein Drittel erhielt der Markgraf. Das war aber so viel, dass er bald den Beinamen Otto "der Reiche" erhielt. Da das Erz gleich unter der Grasnarbe zu finden war, entstanden auf dem Hauptstollngang, also auf einer Linie, die heute durch das Krankenhaus, die Terrassengasse, das Gasthaus "Zum Oberberghauptmann", den Helmertplatz und den Roten Weg markiert wird, und auf weiteren, damals entdeckten Erzgängen zahlreiche kleine Tagebaue, Schächte geringer Tiefe und Halden, die in den folgenden Jahrhunderten natürlich wieder eingeebnet wurden.

Die Bergleute siedelten sich außerhalb der Bauernhöfe, vor allem vermutlich auf dem Gebiet Donatsfriedhof/Schmiedestraße an. Von Christiansdorf aus gesehen jenseits des Münzbachtales entstand eine Keimzelle der Stadt Freiberg mit Handwerkern, Kaufleuten und wohl auch Bergleuten mit der Nikolaikirche als erster Stadtpfarrkirche.

Nachdem sich in der Folgezeit noch das Domviertel und das Petriviertel herausgebildet hatten, faßte um 1220 Markgraf Dietrich der Bedrängte, ein Sohn Ottos des Reichen, mit einer Stadtmauer die Stadt Freiberg zusammen und damit war der größere Teil des Dorfes Christiansdorf zu der Stadtgemeinde St. Jakobi geworden, die heute noch besteht.
Otfried Wagenbreth



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